Kommt durch Covid-19 nun der erwartete Schub bei der Telemedizin?

In Zeiten der Coronapandemie sind die Wartezimmer leer, denn die Sprechstunden finden zumeist als Videosprechstunde statt, Medical Apps boomen und man kann sich weiterhin telefonisch krankschreiben lassen. Doch ist dieser Schub genug für die Telemedizin und wie gestaltet sich Telemedizin juristisch? Die Pandemie bringt uns an unsere Grenzen, aber auch Krankenhäuser und Arztpraxen in ihren Kapazitäten. Eine digitale Lösung hierfür ist die virtuelle Sprechstunde beim Arzt, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Jörg Debatin, Leiter vom Berliner Health Innovation Hub gab an, dass Telemedizinplattformen zuletzt Wachstumsraten von über 1.000 Prozent gehabt hätten.

Worauf sollte bei der Telemedizin besonders geachtet werden?

Dass Videosprechstunden zunächst unbegrenzt stattfinden können, wurde im März 2020 vom GKV-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung beschlossen. Bis dato gab es noch eine Limitierung, wegen der ärztlichen Sorgfaltspflicht, auf 20 Prozent. Zweck der Videosprechstunde ist es, die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer auszuschließen, auch rechtlich ist die Videosprechstunde wasserdicht. Dennoch gilt ein Goldstandard, der eine ärztliche Behandlung in persona präferiert und Telemedizin nur unterstützend wirken solle. Eine hundertprozentige Ferndiagnose (ohne persönlichen Kontakt) war auch schon vor der Coronakrise nach einer einer Ordnungsänderung für Ärzte nach dem Deutschen Ärztetag 2018 in Einzelfällen möglich. Kriterien hierfür sind, dass Faktoren wie etwa ärztliche Beratung, Sorgfalt, Befunderhebung oder auch Dokumentation Bestand haben. Zudem bedarf es einer Aufklärung vom Arzt für den Patienten. Im Einklang damit wurde das Werbeverbot für Fernbehandlungen und das grundsätzliche Fernbehandlungsverbot aufgehoben. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung empfiehlt auch in Zeiten der Coronapandemie eine virtuelle Sprechstunde nur im Bedarfsfall und plädiert sonst für den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient. Möglich seien Videosprechstunden gemäß der KBV für fast alle Ärzte, wobei aber Radiologen, Nuklearmediziner, Pathologen und auch Laborärzte ausgenommen seien. Was Psychotherapie betrifft, so gilt die Prämisse, dass es einem persönlichen Erstkontakt (z.B. Eingangsdiagnostik) bedarf, damit dann Videosprechstunden stattfinden dürfen.

Zu den technischen Voraussetzungen für eine Videosprechstunde

Vor dem Beginn einer digitalen Behandlung von www.ferndiagnose.org, bedarf es der Einhaltung folgender drei Schritte:

  1. Die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. So besonders eine Internetverbindung, eine Kamera und ein Mikrofon.
  2. Ein Videodienstanbieter der Telemedizin, der durch die KBV zertifiziert ist, muss genutzt werden.
  3. Es bedarf einer Anzeige bzw. Genehmigung vom Videosprechstundenangebot bei der KBV.

Erst nachdem diese Schritte ausgeführt worden sind, kann der Arzt abrechnen. Gegenwärtig sind knapp 25 Anbieter zertifiziert. Für eine Zertifizierung müssen besondere Standards beim Datenschutz durch den Telemedizinanbieter gewährleistet sein.

Zu den Krankschreibungen per Telemedizin

Vorübergehend kommt es durch die KBV zu einer Erleichterung, was die Ausstellung von Krankschreibungen betrifft. In manchen Fällen reicht ein einfacher Anruf des Erkrankten (z.B. Erkältung) beim Hausarzt. Im April und Mai 2020 gab es diesbezüglich ein großes Hin und Her, da der Gemeinsame Bundesausschuss widersprüchliche Aussagen tätigte. Ein Hamburger Start-Up hatte schon vor der Coronakrise die Idee, Arztbesuche sicherer zu machen und so eine vereinfachte Krankschreibung zu ermöglichen, wobei es vor dem Landgericht Hamburg eine Niederlage, da unlauter und gegen die ärztliche Sorgfalt, erlitt. Dabei bezog sich das Landgericht Hamburg auf § 25 Hamburger Berufsordnung für Ärzte.

Telemedizin als Chance begreifen

Die negativen Seiten der Coronapandemie wissend, bringt sie dennoch notwendige Impulse für die Digitalisierung im Gesundheitssektor. Ob der Trend zu Videosprechstunden weiter anhält, auch wenn die Coronakrise gemeistert ist, interessiert die Anbieter von Telemedizinlösungen natürlich besonders und dazu auch, wie lange die KBV sie gesetzlich als geförderte Variante führt. Dennoch bleibt es möglich, dass das Gesundheitssystem dauerhaft die Vorteile von Telemedizin erkennt und dadurch auch Telemedizinanbieter profitieren. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden erörtert, auch der Entwurf zur DiGAV bringt neue Impulse. Ob der Schub für die Digitalisierung wirklich von Bestand ist oder nicht, werden die nächsten Monate zeigen.

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